Theorien

„Wozu brauche ich Theorien? Ich bin Praktiker, Führungskraft und kein Akademiker!“

Dieser Einwand ist verständlich. Als Führungskraft braucht man sich natürlich nicht mit theoretischen Überlegungen herum zu plagen. Aber auf der anderen Seite: Warum nicht?

Die meisten Führungskräfte sind zwar in ihrem Beruf (Verkäufer*in, Handwerker*in, Bürokaufmann/-frau,…) geschult, wenige wurden aber tatsächlich auch als Führungskraft ausgebildet. In vielen Fällen geschieht dies, wenn überhaupt, durch kurze Seminare, e-learnings oder Handbücher. Diese erteilen dann Ratschläge, wie man sich in der Führungsrolle am besten verhalten soll. Im Optimalfall sind diese Verhaltensratschläge theoretisch fundiert, oftmals basieren sie aber einfach auf Erfahrungswissen oder Plausibilität. Viele Firmen engagieren auch Berater und Coaches für Führungskräfte, um diese entsprechend fortzubilden. Im besten Fall haben diese Coaches ein fundiertes theoretisches Fachwissen. Allzu oft werden aber nur populäre Methoden und Schlagwörter verwendet, unabhängig von der tatsächlichen Situation. Um zu erkennen, dass Mitarbeiter nicht durch Zwang zu Höchstleistungen gebracht werden können, brauche ich kein Lama-Trekking für Führungskräfte bei dem man mit einem störrischen Lama konfrontiert wird!

„Was kann also eine Theorie für mich tun?“

Theorien abstrahieren vom Einzelfall. Sie versuchen, ihren Anwendungsbereich allgemein, losgelöst von der Einzelsituation, zu erfassen und zu erklären. In Ihrer Tätigkeit als Führungskraft sind Sie konfrontiert mit einer Vielzahl von Einzelsituationen – mit verschiedenen Personen, verschiedene Aufgaben, verschiedenen Zielen. Eine Theorie kann nun eine Hilfestellung sein, diese Einzelfaktoren in ein ganzheitliches Bild zu passen und somit leichter verständlich, erklärbar und beeinflussbar zu machen.

„Ich habe bei der Arbeit nicht die Zeit, Situationen theoretisch zu analysieren!“

Wenn Sie sich ein theoretisches Grundwissen verschafft haben, brauchen Sie das auch nicht. Sie sehen die Situation quasi „durch die Brille“ der Theorie. Zusammenhänge, die Ihnen vielleicht vorher gar nicht aufgefallen sind, zeigen sich und Situationen, die für Sie früher ein Rätsel waren, können logisch und schlüssig erscheinen. Schwierige Mitarbeiter, die nur schlecht zu motivieren waren, können für Sie zu einem offenen Buch werden. Und auch Ihre eigene Stellung kann sich in einem neuen Licht zeigen.

„Ich führe seit 15 Jahren Personal und bislang hat es prima geklappt – auch ohne Theorie!“

Sind Sie sich sicher? Wer beurteilt Ihre Führungsarbeit? Wie wird sie beurteilt? Könnte es nicht sein, dass Ihre Methoden von vor 15 Jahren nicht mehr aktuell sind? Und nur weil etwas klappt heißt das nicht, dass es nicht noch besser laufen könnte. Es gibt gibt zwar das IT-Sprichwort „Never change a working system!“ aber eine Überprüfung, ein „reality-check“ kann ja nicht schaden. Sich nicht zu hinterfragen kann fatal werden und es kann ein großer Fehler sein, Veränderungen in der Umwelt zu ignorieren oder gar nicht erst wahrzunehmen. Nur zwei kurze Beispiele: in der Bewertung von Führungskräften wurden früher hauptsächlich ökonomische Faktoren herangezogen. Umsatz, Gewinn und ähnliches wurden als zentrale Merkmale gesehen. Heute hat sich dies verschoben. Sozio-ökonomische Faktoren wie Personalfluktuation, Krankheitsfälle, Fehlzeiten und Kündigungen sind mehr in das Feld der Betrachtung gerückt. Und auch in der Gesellschaft hat sich ein Wandel vollzogen. Früher war der Arbeitsplatz da, um Geld zu verdienen. Er sollte möglichst sicher sein. Heute möchte man sich immer mehr in der Arbeit selbst verwirklichen. Die Arbeit soll Spaß machen und kreative Freiräume bieten. Des Weiteren sollte sich die Arbeit gut in das eigene Leben passen lassen und dieses eher bereichern als behindern – Stichwort: Work-Life-Balance. Diese und weitere Faktoren sollten auch in der Arbeit von Führungskräften Niederschlag finden. Ein theoretisches Grundwissen kann bei der sinnvollen Integration hilfreich sein.

Auf dieser Seite wird sich der „theoretische Bereich“ (voraussichtlich) wie folgt gliedern:
– Allgemeine Theorien
– Motivationstheorien
– Begriffe
– Organisationstheorien